Siegener Zeitung vom 31. August 2013

Silke Schmidt stellt aus

Mädchen plus ein Element Natur

Silke Schmidt lebt und arbeitet in Templin. Die gebürtige Kreuztalerin wuchs in Betzdorf auf und steht heute auf zwei Standbeinen: der Kunst (viele Motive der ruhig wirkenden Objekte stammen aus der Natur) und der Illustration. Foto: Simone Weigelt

Betzdorf/Templin. Die in Betzdorf aufgewachsene Künstlerin Silke Schmidt arbeitet heute in Templin und hat eine besondere Zeichentechnik entwickelt.

zel - Mit dem ganz großen Exodus haben sie gedroht. Alle wollten nach Siegen gehen, wenn es am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Betzdorf keinen Kunst-Leistungskurs geben würde. In dem ersten Kunst-LK bei Erwin Rickert, der dann zustande kam, saß auch Silke Schmidt. 1973 wurde sie in Kreuztal geboren, aufgewachsen ist sie in Betzdorf. "Sie hat schon als Kind gern gezeichnet", sagt die Künstlerin und Illustratorin und lacht. Der überstrapazierte Satz stimmt eben oft. Gemalt hat sie nie gerne, und das tut sie bis heute nicht.

Objekte wie gemalt

Seit etwa zehn Jahren schafft Silke Schmidt Bilder, die wie gemalt aussehen, wenn man sie in einem Katalog reproduziert sieht. Die Information "Acryl auf Sperrholzschnitt" hilft schon weiter, aber erst im Gespräch mit der Künstlerin, die heute mit Mann und zwei Töchtern in der Uckermark lebt, erschließt sich ihre Arbeitsweise. "Es sind richtig dicke Objekte", erklärt sie, "die Zeichnungen sind mit dem Cutter ins Holz geritzt." Wenn sie dann die Bilder mit Farbe einwalzt, bleibt die Zeichnung aus Holz farblos - im besten Fall. Wenn Farbe in die Ritzen läuft, ist die ganze Arbeit dahin. "Es sind im Grunde Druckstöcke, die ich ausstelle", sagt Schmidt. Früher habe sie auch gedruckt, aber die Formate seien einfach zu groß. Irgendwann habe ein eingewalzter Druckstock im Flur gestanden, der habe ihr dann viel besser gefallen. Seit 2005, seit ihrer Meisterkursausstellung, arbeitet sie so.

Mädchen und Natur

Ihre Motive sind meistens Frauen oder Mädchen in Kombination mit einem Element aus der Natur: Eine Figur hält sich Zweige an den Kopf wie ein Hirsch, eine andere umschwärmen Flugzeuge wie ein Bienenschwarm, eine hat einen Wolf auf dem Kopf, eine andere ein Pferd. Ein Mädchen hat einen Kranich an einer Schnur in der Hand, ein anderes hält die Linie, die in konzentrischen Kreisen um es herum läuft, und steht somit im Wasser.
"Die Figuren sind immer lebensgroß, nie kleiner als 1:1", erklärt Silke Schmidt. Sie arbeitet sie nach Vorlagen wie Familienfotos oder Bildern aus dem Internet. "Es sind fiktive Figuren", wichtig sind die Situation, in der sie sich befinden, das Gefühl, das sie transportieren (im Gras liegen, der Wind in den Haaren, ein Sonnenstrahl), die Körperhaltung und der Blick. Schmidts Arbeiten wirken unglaublich ruhig, ihre Figuren seien überhaupt nicht abgelenkt, habe ihr mal jemand gesagt, und genau das macht auch den Betrachter ruhig. Auch die Farben sind alles andere als aufregend, Grün und Blau, Gräulich-Blau oder Gräulich-Grün ? Silke Schmidt muss selbst lachen, davon kommt sie einfach nicht weg.

Ausstellung in Frankfurt

Vertreten wird die Künstlerin seit geraumer Zeit von der Galerie Wagner + Marks in Frankfurt, dort wird am 7. September die Einzelausstellung "Wald im Haus" eröffnet, Silke Schmidt wird vor Ort sein. Geöffnet ist am 7. und 8. September von 11 bis 18 Uhr, die Ausstellung läuft bis zum 5. Oktober. Im Januar 2014 wird eine Einzelausstellung von ihr in der Galerie Katrin Hiestand in Landau eröffnet.

Auch als Illustratorin tätig

Neben der Kunst arbeitet Silke Schmidt viel als Illustratorin. Die Gewichtsverteilung auf beide Standbeine beziffert sie mit 40:60. Die Illustration war schon im Studium ein Thema. (In Mainz und Edinburgh studierte sie zunächst Germanistik und Anglistik, um dann nach Berlin zu gehen und dort Bildende Kunst und Englisch für Lehramt zu studieren. Neben dem Abschluss machte sie parallel ihren Meisterabschluss bei Prof. Dieter Hacker an der Universität der Künste. Es gab einige Kunstpreise.) Sie verlegte selbst Comics und Bildergeschichten, arbeitete mit ihrem Nachbarn, dem Autor (und heutigen Ingeborg-Bachmann-Preisträger) Tilman Rammstedt, zusammen und entwarf für das studentische Hildesheimer Literaturmagazin "Bella triste" das "Covergirl". Sie arbeitet u. a. für "Brigitte", "Mare" oder "Eltern", entwirft Cover für (Mädchen-)Bücher und Familienkalender oder zeichnet für "Himbeer", ein Berliner Stadtmagazin für Leute mit Kindern. Mit ihrer Familie und mit Hund, zwei Katzen und bald mit Hühnern lebt die Künstlerin in Templin in einem alten DDR-Kinderferienlager; ihr Atelier ist im Clubraum. Am "A. der Welt" sei es zwar herrlich mit See vor der Tür und ohne Handyempfang, aber die Nähe zu Berlin schätzt Schmidt trotzdem. Mit der dortigen Künstlerszene hat sie nichts am Hut, aber "Berlin ist nach wie vor super". Silke Schmidts Eltern sind mittlerweile auch in die Uckermark gezogen, so dass der letzte Besuch im Siegerland ein Abitreffen war.